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Turnierform
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Eine Turnierform, ein Turnierformat oder Turniermodus beschreibt den Aufbau eines Turniers oder einer Liga, mit dem der beste Spieler, Sportler oder das beste Team ermittelt werden soll. Meist geht es dabei um Sportarten, die keine direkte Messung erlauben, sondern bei denen jeweils zwei Teilnehmer gegeneinander antreten mĂźssen.
Hinweis: Der Begriff âSpielâ ist hier in einem abstrakten Sinn zu verstehen: Bei einem Schachturnier kann ein âSpielâ etwa aus zwei Partien bestehen (jeder Spieler spielt einmal mit den weiĂen Steinen und einmal mit den schwarzen), ebenso kann bei einem FuĂballturnier ein âSpielâ aus zwei Partien bestehen (einem Hin- und einem RĂźckspiel), beim Tennis ist ein âSpielâ entschieden, sobald ein Teilnehmer zwei bzw. drei âSätzeâ gewonnen hat. Es kommt im Folgenden nicht auf die genaue Ausgestaltung des âSpielsâ im Sinne der jeweiligen Sportart an, sondern nur auf den fĂźr den weiteren Turnierverlauf bedeutsamen Ausgang. Im Folgenden ist der Begriff âSpielâ in dieser Weise zu verstehen und nicht mehr typographisch ausgezeichnet.
Contents
⢠K.-o.-System
⢠Single knockout
⢠Double knockout
⢠Rundenturnier
⢠Schweizer System
⢠Leiterturnier
⢠Einzelnachweise
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Anforderungen an eine Turnierform
Der Vergleich sportlicher Leistungen ist â je nach Sportart â unterschiedlich schwierig. Beim Marathonlauf etwa ist der Leistungsvergleich vergleichsweise einfach, da die Tatsache, dass alle Turnierteilnehmer zugleich gegeneinander antreten, einen direkten Leistungsvergleich zulässt. Eine objektive Leistungsmessung, wie eine Zeitnahme, ist prinzipiell nicht einmal notwendig. Die MĂśglichkeit, alle Teilnehmer gleichzeitig gegeneinander antreten zu lassen, ist jedoch vielfach nicht gegeben. Auch kann die Leistung oft nicht objektiv gemessen werden, sondern nur relativ zu einem Gegner (FuĂball, Tennis, Schach, Bridge). Dadurch kann der âbesteâ Teilnehmer in diesen Sportarten nur durch ein Turnier bestehend aus mehreren Vergleichskämpfen ermittelt werden.
Das Hauptziel eines Turniers besteht darin, den Sieger eines Wettbewerbs zu ermitteln. Idealerweise sollte das Turnier so konzipiert sein, dass alle Teilnehmer die gleichen Chancen haben, unabhängig von Faktoren wie Setzliste oder Zeitplan. Der Einfluss von GlĂźck oder Zufall auf die Ergebnisse sollte so gering wie mĂśglich gehalten werden. Das Turnier sollte auĂerdem ein spannendes und fesselndes Ereignis fĂźr Teilnehmer und Zuschauer sein.
WĂźnschenswerte Eigenschaften eines Turnierformats sind daher:
⢠Die Turnierform soll den tatsächlich besten Teilnehmer mit grĂśĂtmĂśglicher Wahrscheinlichkeit als Turniersieger ermitteln. Im Idealfall soll die Schlussrangliste die wahre Teilnehmerstärke mĂśglichst getreu abbilden (das Rundenturnier ist beispielsweise in dieser Hinsicht deutlich besser als das K.-o.-System).
⢠Die Turnierform soll die entscheidende Bedeutung jedes Spiels fßr die Schlussplatzierung gewährleisten. Bedeutungslose Spiele fßr einen oder beiden Teilnehmer, taktische Ergebnisse, Absprachen zulasten Dritter (sogenannte Kollusion, vgl. Bundesliga-Skandal oder Nichtangriffspakt von Gijón) sollen durch die Regelungen der Turnierform ausgeschlossen werden (im K.-o.-System ist dies immer der Fall, in den letzten Runden des Rundenturniers in der Regel jedoch nicht).
⢠Auch andere allgemeine Rahmenbedingungen sollen fßr alle Teilnehmer so gleich wie mÜglich sein. Zum Beispiel sollten alle Teilnehmer ungefähr die gleiche Regenerationszeit zwischen den Spielen haben. Folglich sollten beide Teilnehmer eines Matches in der Regel die gleiche Anzahl von Matches im bisherigen Turnierverlauf gespielt haben (im Doppel-K.-o.-System nicht erfßllt).
⢠Die Tiebreak-Kriterien sollen transparent sein und ausschlieĂlich auf sportlichen Leistungen beruhen (problematisch beim Rundenturnier und beim Schweizer System).
⢠Die Turnierform soll sportartspezifischen, organisatorischen und zeitlichen Rahmenbedingungen des konkreten Turniers entsprechen. Das K.-o.-System ist zum Beispiel fßr die Bundesliga nicht geeignet, das Rundenturnier mit 32 Mannschaften lässt sich fßr eine Weltmeisterschaft nicht umsetzen.
⢠Die Dauer der Turnierteilnahme soll fßr jeden Teilnehmer im Voraus bekannt sein.
⢠Die Entscheidung Ăźber den Turniersieg soll â zur ErhĂśhung der Spannung â erst am Ende des Turniers in einem Finale der beiden besten Teilnehmer fallen.
⢠Fßr die Zuschauer sind spannende Spiele wßnschenswert. Deshalb sollten bei jedem Spiel etwa gleich starke Teilnehmer aufeinandertreffen.
Keine Turnierform kann all diese wĂźnschenswerten Eigenschaften erfĂźllen, weswegen es kein âidealesâ Turnierformat gibt. Die folgenden unterschiedlichen Turnierformate erfĂźllen diese Kriterien daher jeweils nur zum Teil.
Ăbersicht Ăźber die Turnierformen
| Turnierform | Vorteile | Nachteile | Anzahl benĂśtigte Spiele bei n Spielern |
|---|---|---|---|
| K.-o.-System | Geeignet fĂźr viele Teilnehmer Spannende, zuschauerfreundliche Spiele, schlieĂlich fĂźhrt jede Begegnung zum Ausscheiden des einen Spielers Der Turniersieger wird in einem Finalspiel ermittelt | FrĂźhes Aufeinandertreffen zweier Spitzenspieler fĂźhrt zwangsläufig zu einer schlechten Schlussplatzierung fĂźr den einen Spieler Um das drohende Ausscheiden abzuwenden, treten beide Teams/Spieler taktisch extrem defensiv auf, wodurch ein fĂźr Zuschauer reizvoller Spielfluss häufig nicht zustande kommt (siehe Catenaccio ) FrĂźhes Ausscheiden vieler Spieler, die somit wenig Turniererfahrung sammeln kĂśnnen FĂźr sehr viele Teilnehmer wird gar kein Rang ermittelt | n â 1 {\displaystyle n-1} |
| Doppel-K.-o.-System | Geeignet fĂźr viele Teilnehmer Ein Teilnehmer scheidet erst nach der zweiten Niederlage aus dem Turnier aus (vergl. K.-o.-System) Jedes Spiel hat eine entscheidende Bedeutung fĂźr beide Teilnehmer, somit gibt es keine Gefahr von taktischen Ăberlegungen, KĂśnigsmachermĂśglichkeiten, betrĂźgerischem Zusammenspiel (vergl. Rundenturnier) | Ein Teilnehmer bleibt nach der ersten Niederlage zwar im Turnier, aber er muss mehr Spiele als der Gewinner bis zum Finale absolvieren. Je frĂźher im Turnier sich diese Niederlage ereignet, desto mehr Spiele mĂźssen gespielt werden. Die Anzahl der absolvierten Einsätze im bisherigen Turnierverlauf ist fĂźr die Spielteilnehmer in der Turnierendphase nicht gleich. Das fĂźhrt zu Wettbewerbsverzerrung und Organisationsproblemen. Während eine Mannschaft in der kurzen Zeit ohne ausreichende Regeneration mehrere Spiele hintereinander bestreiten muss, wartet die andere Mannschaft zu lange auf den nächsten Einsatz Zwei gleiche Mannschaften kĂśnnen auch vor dem Finale zum zweiten Mal aufeinandertreffen Je nach dem Turnierverlauf besteht das Finale entweder aus einem Spiel oder aus zwei Spielen. Aus organisatorischen GrĂźnden ist das fĂźr die Anwendung in den Turnieren einiger Sportarten nicht geeignet | 2 â
n â 2 {\displaystyle 2\cdot n-2} |
| Rundenturnier | Schlussresultat gibt die relative Spielstärke der Spieler sehr genau wieder Planbarkeit: Es ist schon bei der Turnierplanung bekannt, welcher Spieler wann auf welchen Gegner trifft | Ungeeignet fĂźr Turniere mit vielen Teilnehmern, insbesondere bei Hin- und RĂźckspielen Gefahr von taktischen Ăberlegungen, KĂśnigsmachermĂśglichkeiten, betrĂźgerischem Zusammenspiel Entscheidung Ăźber Turniersieg fällt meistens nicht durch eine direkte Begegnung der beiden Bestplatzierten, sondern in einem Fernduell | n 2 â
( n â 1 ) {\displaystyle {\frac {n}{2}}\cdot (n-1)} bzw. ( n 2 ) {\displaystyle {\binom {n}{2}}} bei einfacher AusfĂźhrung, n â
( n â 1 ) {\displaystyle n\cdot (n-1)} mit RĂźckrunde |
| Schweizer System (Dänisches System) | Während des ganzen Turniers spannende Spiele, da stets in etwa gleich gute Spieler aufeinander treffen Geeignet fĂźr viele teilnehmende Spieler, die während der ganzen Turnierdauer anwesend sein sollen | MĂśglichkeit, sich mit einer taktischen Niederlage zu Turnierbeginn eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen Im Mittelfeld widerspiegelt die Rangordnung die Spielerstärke nur schlecht | n 2 â
log 2 ⥠n {\displaystyle {\frac {n}{2}}\cdot \log _{2}n} |
| Leiterturnier | Je nach Ausgestaltung spiegelt das Schlussresultat die relativen Spielstärken sehr gut wider Wird das Teilnehmerfeld gut gesetzt, sind nur sehr wenige Spiele notwendig Flexibilität fĂźr die Teilnehmer, da sie Anzahl Spiele und die Gegner auswählen kĂśnnen | Wird die Rangordnung zu Beginn ausgelost, ist diese Turnierform sehr ineffizient Gefahr von WillkĂźr (Spieler wählen subjektiv gesehen besiegbare Gegner aus) ungleiche Anzahl Spiele pro Teilnehmer | n 2 â
( n â 1 ) {\displaystyle {\frac {n}{2}}\cdot (n-1)} im ungĂźnstigsten Fall, n 2 {\displaystyle {\frac {n}{2}}} im gĂźnstigsten Fall |
| Anzahl Spieler | K.-o.-System | Schweizer System [ 1 ] | Rundenturnier | mit RĂźckrunde |
|---|---|---|---|---|
| 4 | 3 | 4 | 6 | 12 |
| 8 | 7 | 12 | 28 | 56 |
| 16 | 15 | 32 | 120 | 240 |
| 30 | 29 | 75 | 435 | 870 |
| 50 | 49 | 150 | 1225 | 2450 |
| 100 | 99 | 350 | 4950 | 9900 |
| n {\displaystyle n} | ( n â 1 ) {\displaystyle (n-1)} | n 2 â
log 2 ⥠n {\displaystyle {\tfrac {n}{2}}\cdot \log _{2}n} | ( n 2 ) {\displaystyle {\binom {n}{2}}} | n â
( n â 1 ) {\displaystyle n\cdot (n-1)} |
K.-o.-System
Single knockout
â
Hauptartikel
:
K.-o.-System
Double knockout
â
Hauptartikel
:
Doppel-K.-o.-System
Als Double knockout (auch Double-elimination) bezeichnet man eine Turnierform, die in ihren Grundzßgen auf dem K.-o.-System beruht, jedoch versucht, dessen Schwächen zu umgehen. Die wesentlichen Unterschiede des Double-knockout-Formates im Gegensatz zum einfachen K.-o.-System (single knockout oder single elimination) sind:
⢠Ein Teilnehmer scheidet erst nach der zweiten Niederlage aus dem Turnier aus.
⢠Ein Teilnehmer kann trotz eines einmaligen Verlustes das Turnier gewinnen. Das ist im einfachen K.-o.-System auch dann ausgeschlossen, wenn zusätzliche Spiele abgehalten werden, um eine durchgehende Reihung zu erhalten: Der Verlierer eines Semifinalspieles kann bestenfalls den 3. Platz belegen, der Verlierer eines Viertelfinalspiels bestenfalls den 5. Platz etc.
⢠Es ist auch ohne Seeding (Setzen) sichergestellt, dass der zweitbeste Spieler den zweiten Platz belegt (vorausgesetzt bei jeder einzelnen Begegnung gewinnt der jeweilige Favorit).
⢠Bei gleicher Teilnehmeranzahl sind etwa doppelt so viele Spiele zu absolvieren wie beim K.-o.-System. (Nehmen n Spieler teil, werden 2n-2 Spiele benÜtigt.)
Rundenturnier
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Hauptartikel
:
Rundenturnier
Als âRundenturnierâ (auch âJeder gegen jedenâ, englisch Round Robin oder Liga-System) wird eine Turnierform bezeichnet, bei der jeder Turnierteilnehmer gleich oft gegen alle anderen Turnierteilnehmer antritt.
Dieses System wird in den meisten Ligasystemen beim FuĂball angewandt, wo anhand eines festen Spielplans jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft einmal zuhause und einmal auswärts spielt (exakte Bezeichnung: âDouble Round Robinâ, da jede Mannschaft jede andere zwei Mal trifft). Dies wird auch beim Bowling angewandt.
Ein Turnier âjeder gegen jedenâ benĂśtigt in der einfachen DurchfĂźhrung (ohne RĂźckspiele) bei n Teilnehmern n 2 ( n â â 1 ) {\displaystyle {\begin{matrix}{\frac {n}{2}}\end{matrix}}(n-1)} Spiele. FĂźr jeden Sieg und jedes Unentschieden werden Punkte vergeben. Am Ende gibt es eine vollständige Rangliste nach Punkten, bei Punktegleichstand werden weitere Kriterien herangezogen, das Torverhältnis oder die direkten Begegnungen.
Kombinationen aus K.-o.- und Rundenturnier
In vielen Fällen wird eine Kombination aus K.-o.-System und Rundenturnier verwendet.
endrundegruppenphasezwischenrundeZumeist wird der erste Abschnitt des Turniers als Rundenturnier mit mehreren Gruppen oder Ligen, ein weiterer als K.-o.-Turnier durchgefĂźhrt. Beispiele hierfĂźr sind die FuĂball-WM und EM (nach der Qualifikationsphase) sowie die meisten europäischen FuĂball-Pokalwettbewerbe. Hier werden die Mannschaften Ăźberwiegend in Gruppen von je vier Mannschaften aufgeteilt. Zwischen den Mannschaften einer Gruppe spielt jeder gegen jeden. Dies wird als Gruppenphase, manchmal auch als Vorrunde bezeichnet. Die Gruppenersten und Gruppenzweiten spielen dann im K.-o.-System gegeneinander (âAusscheidungsspiele, K.-o.-Phaseâ), bei der FuĂball-EM 2016 qualifizieren sich erstmals auch die vier besten von insgesamt sechs Gruppendritten fĂźr die K.-o.-Phase, da es bei dieser Europameisterschaft erstmals ein Achtelfinale gibt. In manchen Fällen gibt es zwischen Vorrunde und K.-o.-Phase noch eine weitere Zwischenrunde, so z. B. bei der UEFA Champions League bis zum Jahr 2002, wo diese Zwischenrunde als zweite Gruppenphase bezeichnet wurde. Als Endrunde wird verwirrenderweise bei der UEFA Champions League nur die K.-o.-Phase bezeichnet, bei WMs und EMs das gesamte Turnier inklusive der Gruppenphase, jedoch ohne die Qualifikationsspiele.
Dieses Mischsystem hat den Vorteil, dass ein zu frßhes Ausscheiden guter Mannschaften weitgehend vermieden werden kann, indem die Gruppensieger so spät wie mÜglich aufeinandertreffen. So spielen in der ersten Ausscheidungsrunde stets Gruppenerste gegen Gruppenzweite.
Durch geeignetes Setzen kann man auĂerdem erreichen, dass zwei Mannschaften, die in der Vorrunde in derselben Gruppe gegeneinander gespielt haben, nur im Finale erneut aufeinandertreffen kĂśnnen. Vor Beginn des eigentlichen Turniers finden vielfach Qualifikationsspiele statt, in denen als Modus wiederum entweder das K.-o.-System oder das Rundenturnier angewendet wird.
AuĂerdem gibt es noch viele weitere MĂśglichkeiten, diese beiden Turnierformen zu kombinieren. Vor allem im nordamerikanischen Vereinssport werden hierzu verschiedene Varianten angewendet (NBA, NHL, MLB, NFL oder MLS). Play-off heiĂt ein K.-o.-System, das von den Bestplatzierten einer einzigen Liga nach Abschluss der im Jeder-gegen-Jeden-System durchgefĂźhrten Hauptsaison gespielt wird.
Schweizer System
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Hauptartikel
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Schweizer System (Schachspiel)
Das âSchweizer Systemâ lässt sich am besten als Sonderform des Rundenturniers beschreiben. In der Schweiz ist dieses Spielsystem als âSystem Schochâ bekannt. Die erste Runde wird gesetzt oder gelost, danach wird nach jeder Runde der Zwischenstand bestimmt. In den folgenden Runden spielt stets der FĂźhrende gegen den Zweitplatzierten, der Dritte gegen den Vierten und in dieser Reihe jeweils weiter.
Es wird allerdings ausgeschlossen, dass zwei Spieler zweimal aufeinandertreffen, die Paarungen werden daher vor jeder Runde wie folgt festgelegt:
⢠Der Fßhrende spielt gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat.
⢠Der Fßhrende unter den verbleibenden Spielern spielt gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat.
Liegen also nach einer Runde dieselben Spieler in FĂźhrung, so spielt nun der erste gegen den dritten (falls er gegen diesen noch nicht gespielt hat, daher: gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat), der zweite gegen den vierten. Es kĂśnnen Abbruchkriterien festgelegt werden â wie etwa im PĂŠtanque Ăźblich: Es werden so lange neue Runden gespielt, bis nur noch ein Teilnehmer ohne Niederlage geblieben ist. Ohne ein Abbruchkriterium dauert ein Turnier nach dem Schweizer System gleich lange wie ein Rundenturnier, was aber einen bedeutenden Vorteil des Schweizer Systems zunichtemacht.
Wenn Indikatoren wie Tordifferenz oder Anzahl geschossene Tore fehlen, kann eine Feinwertung notwendig sein, um bei Punktegleichheit eine eindeutige Rangfolge festzulegen. Wird keine Feinwertung erstellt, kann bei Punktegleichheit der jeweilige neue Gegner allerdings auch zugelost werden.
Schweizer System (Varianten)
Das Dänische System unterscheidet sich vom Schweizer System dadurch, dass dieselben Paarungen mehrfach auftreten kÜnnen: Es spielen also in jeder Runde der Erstplatzierte gegen den Zweitplatzierten, und die Nächstplatzierten in derselben Weise.cite-ref-2[2]
Eine Sonderform des Schweizer Systems ist das Mac-Mahon-System, das bei ShĹgi- und Go-Turnieren häufig angewendet wird. Hierbei starten die Spieler nicht mit null Punkten, sondern beginnen das Turnier mit unterschiedlichen Punktezahlen abhängig von ihrer Einstufung in Kyu- oder Dan-Grade beim Go bzw. ihrer Elo-Zahl beim ShĹgi.
Leiterturnier
Leiterturniere sind Forderungsturniere und werden ßberwiegend vereinsintern gespielt. Sie sind die einfachste Form einer laufenden Clubrangliste. Zu Beginn werden durch Setzen oder Losen alle Spieler wie auf einer Leiter in einer Rangliste angeordnet. Jeder Spieler darf nach Vorgabe den direkt vor ihm oder einen noch weiter vorne platzierten Spieler herausfordern. Falls er gewinnt, rßckt er auf den Platz des Geforderten vor und dieser fällt einen Platz oder auf den bisherigen Platz des Siegers zurßck.cite-ref-iturnier-3-0[3] Gewinnt der Herausforderer nicht, verändert sich die Rangliste nicht. Ziel ist es, mÜglichst die oberste Leitersprosse zu erreichen.
In der Regel werden Fristen gesetzt, in denen bei Forderung die Kämpfe ausgetragen werden mßssen. Kommt ein Spieler einer Herausforderung innerhalb dieser Frist nicht nach, verliert er kampflos. Die Verlierer dßrfen meist fßr eine bestimmte Zeit keine Forderung aussprechen, aber dßrfen selbst gefordert werden.
Das Turnier kann mit einem Enddatum versehen (um dann die Sieger zu ehren) oder zeitlich unbegrenzt durchgefßhrt werden. Im letzten Fall hat man dauerhaft eine jeweils aktuelle Rangliste fßr den Verein. Da die Teilnehmer selbst fßr die Forderungen verantwortlich sind, kann eine Anzahl der Kämpfe nicht vorausgesagt werden. Auch ist die Anzahl der Kämpfe je Teilnehmer unterschiedlich.
Während des Turniers kÜnnen auch Spieler ausscheiden (dann rßcken alle dahinter liegenden Spieler auf) oder zusätzlich in das Turnier eintreten. In letzterem Fall werden sie entweder an das untere Ende der Leiter gesetzt oder man kann ihnen auch die MÜglichkeit bieten, einen beliebigen Gegner zu fordern. Gewinnt der Neueinsteiger, wird er auf den Platz des Verlierers gesetzt. Verliert er, kommt er dann doch an das untere Ende der Leiter.
Fordert jeder Spieler nur den nächstbesseren Spieler heraus, entspricht dieses Turnierverfahren der sogenannten Bubblesort-Methode. Im ungĂźnstigsten Fall â der beste Spieler befindet sich zu Turnierbeginn auf dem letzten Platz, der zweitbeste auf dem zweitletzten Platz und so weiter â entspricht die Anzahl benĂśtigter Spiele jener des einfachen Rundenturniers, da jeder gegen jeden anderen spielen muss.
Die Regeln sind modifizierbar. Sie kÜnnen vorschreiben, welche Herausforderungen zulässig sind. Zum Beispiel kann jeder Spieler nur den nächstbesten oder den ßbernächstbesten Spieler herausfordern, um die Spitzenspieler vor zeitverschwenderischen, aussichtslosen Herausforderungen durch Anfänger zu schßtzen. Auch ist die Form der Durchfßhrung der einzelnen Vergleichskämpfe und einzuhaltende Fristen den jeweiligen Bedßrfnissen anpassbar.
Leiterturnier (Varianten)
Die Regeln beim Pyramidenturnier (auch Weihnachtsbaumturnier) sind fast gleich dem Leiterturnier. Die Teilnehmer sind aber nicht in einer horizontalen Liste, sondern in einem pyramidenfĂśrmigen Tableau angeordnet. Meist sind grĂśĂere SprĂźnge als bei einem Leiterturnier mĂśglich. Die Turnierleitung legt fest, wer alles gefordert werden darf. Dieses kĂśnnen zum Beispiel alle Spieler sein, die in der Reihe oberhalb der eigenen Reihe stehen oder alle Spieler, die in der gleichen Reihe links oder in der oberen Reihe rechts von einem stehen.cite-ref-iturnier-3-1[3]
Vergleich der Turnierformen
Das Primärziel eines Turnierformats besteht darin, den Turniergewinner zu ermitteln. Wegen der Rahmenbedingungen und Eigenschaften eines konkreten Turniermodus sowie verschiedenen Zufallsfaktoren ist es mÜglich, dass auch nicht der stärkste Turnierteilnehmer gelegentlich Meister werden kann. Als Grundlage fßr den Vergleich von verschiedenen Turnierformen in Bezug auf Primärziel kann die Wahrscheinlichkeit hingezogen werden, mit der die tatsächlich beste Mannschaft als Sieger ermittelt wird, insbesondere in den praxisnahen Fällen, bei denen die beste Mannschaft nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit in einer Begegnung gewinnt.
Die folgenden Beispiele fĂźr ein FuĂballturnier mit 8 Mannschaften illustrieren diese Vorgehensweise fĂźr den Vergleich der Turnierformen.
Es wird angenommen, dass 7 Mannschaften gleich stark sind und die Wahrscheinlichkeiten fĂźr Sieg, Unentschieden und Niederlage, wenn sie gegeneinander spielen, betragen 30 %, 40 %, 30 %. FĂźr die Spiele der besten Mannschaft âAâ gegen diese 7 Mannschaften betragen die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten 50,5 %, 30 %, 19,5 %.
⢠Bewertung fßr das Rundenturnier
FĂźr die Wahrscheinlichkeit, dass die Mannschaft âAâ den Turniersieg davonträgt, wurden bei diesem Modell zwei Werte ermittelt: Maximalwert 49,9 % und Mittelwert 44,9 %. Das hängt damit zusammen, dass die genauen Ergebnisse in diesem vereinfachten Modell nicht berĂźcksichtigt und die Tordifferenzen sowie andere Faktoren zur Rangermittlung bei Punktgleichheit nicht hingezogen werden kĂśnnen. Stattdessen wird unter dem Maximalwert auch die Fälle zusammengefasst, bei denen die Mannschaft âAâ den ersten Platz mit einer oder mehreren anderen Mannschaften teilt. Unter dem Mittelwert wird in solchen Fällen die entsprechende Gewichtung vorgenommen. Der tatsächliche Wert liegt somit zwischen diesen zwei Werten und hängt davon ab, wie die Entscheidung im Fall der Punktgleichheit im konkreten Turnier geregelt wird. Nach dieser Bewertung wird die beste Mannschaft âAâ in diesem Modell in weniger als die Hälfte aller Fälle tatsächlich Turniersieger, obwohl sie in einzelnen Spielen vergleichsweise Ăźberlegen ist. Demzufolge ist die Anwendung des Rundenturniers keine Garantie dafĂźr, dass der erste Platz richtig ermittelt wird, geschweige denn alle Ränge richtig zugeordnet werden. Je geringer die Stärke-Differenz der Teilnehmer ist, desto ungenauer ist diese Zuordnung.
⢠Bewertungen fßr den Vergleich des Rundenturniers mit anderen Turniermodi
FĂźr den Vergleich mit K.-o.-System muss das Modell erweitert werden, weil K.-o.-System zusätzlich Verlängerung und ElfmeterschieĂen als Tie-Break (Vorgehensweisen zur Ermittlung eines Siegers beim FuĂball) verwendet. In diesem Modell betragen die Wahrscheinlichkeiten fĂźr die Spiele von 7 Mannschaften untereinander in Bezug auf Sieg in der regulären Zeit, in der Verlängerung und im ElfmeterschieĂen jeweils 30 %, 5 %, 15 %. Diese Werte sind auf der Basis der tatsächlich stattgefundenen Spiele in der Finalphase (ab Viertelfinale) in FuĂball-Welt- (1986â2018) und Europameisterschaften (1996â2016) ermittelt. Die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten fĂźr die Spiele der Mannschaft âAâ gegen 7 Mannschaften betragen 50,5 %, 6 %, 10,5 % und 19,5 %, 3 %, 10,5 %. In diesem Fall wird angenommen, dass alle Mannschaften die gleichen Chancen im ElfmeterschieĂen haben, d. h. die Gewinnwahrscheinlichkeit der Mannschaft âAâ beim ElfmeterschieĂen ist 50 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mannschaft âAâ in jedem einzelnen Spiel gewinnt, beträgt 67 % (50,5 % + 6 % + 10,5 %). Demnach beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Mannschaft âAâ das Turnier im K.-o.-System gewinnt, 30 % (0,67 * 0,67 * 0,67). Die im ersten Beispiel berechnete Wahrscheinlichkeit fĂźr das Rundenturnier liegt zwischen 49,9 % und 44,9 %. Somit kann die bessere Performance des Rundenturniers gegenĂźber K.-o.-System in diesem Modellfall in Zahlen ausgedrĂźckt werden.
FĂźr die weitere Analyse des Unterschieds zwischen Rundenturnier und K.-o.-System kĂśnnen weitere Modelle gebildet werden, unter der Voraussetzung, dass die Mannschaft âAâ mit der Wahrscheinlichkeit 67 % jedes Spiel im K.-o.-System gewinnt, dabei die Gewinnwahrscheinlichkeiten der Mannschaft âAâ im ElfmeterschieĂen (GWiEMS) zwischen 0 % und 100 % variieren. Zum Beispiel, der Gewinnwahrscheinlichkeit im ElfmeterschieĂen 100 % entsprechen die folgenden Wahrscheinlichkeiten: 40 %, 6 %, 21 % und 30 %, 3 %, 0 %.
Die zur Anzeige dieser Grafik verwendete Erweiterung wurde dauerhaft deaktiviert. Wir arbeiten aktuell daran, diese und weitere betroffene Grafiken auf ein neues Format umzustellen. (Mehr dazu)
In den meisten Fällen ist das Rundenturnier bei der Ermittlung des Turniergewinners deutlich besser als das K.-o.-System. Nur in einigen eher theoretischen Fällen (die Mannschaft âAâ ist geringfĂźgig besser in der regulären Zeit und gewinnt fast immer im ElfmeterschieĂen) sind die Wahrscheinlichkeiten vergleichbar. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Performance einer Turnierform in Bezug auf Primärziel erheblich vom Daten-Modell beziehungsweise von der Stärke-Konstellation der beteiligten Teilnehmer abhängig ist und das Rundenturnier nicht in allen Fällen bedeutend Ăźberlegen gegenĂźber anderen Turnierformaten ist.
Zusätzlich zu dieser Ăbersicht sind auch die Ergebnisse der entsprechenden Bewertungen fĂźr das Turnierformat Zwei-Chancen-Systemcite-ref-4[4] dargestellt. Das Zwei-Chancen-System integriert einige Elemente sowohl des Rundenturniers als auch des K.-o.-Systems, folglich liegen die Zwei-Chancen-System-Wahrscheinlichkeiten zwischen den Werten dieser beiden Formate.
Interpretation von Vergleichsergebnissen der Turnierformen mit und ohne Tie-Break
Im Unterschied zu Turnierformaten ohne Tie-Break (z. B. Rundenturnier) ermitteln die Turnierformate mit Tie-Break (z. B. K.-o.-System) den Turniersieger nicht nur auf der Grundlage von Ergebnissen in der regulären Zeit, sondern auch zusätzlich auf der Grundlage von den Tie-Break-Entscheidungen (Verlängerung und ElfmeterschieĂen). Die Interpretation des Vergleichs von solchen Turnierformen hängt von der Definition der âtatsächlich bestenâ Mannschaft ab. Es gibt zwei Varianten:
1. Nur die Ergebnisse in der regulären Zeit zählen fĂźr die Bestimmung der besten Mannschaft: In dieser Interpretation ist das Rundenturnier in allen Modellfällen das beste Turnierformat unabhängig von den ermittelten Turnier-Gewinnwahrscheinlichkeiten. In den Modellfällen mit der grĂśĂeren Diskrepanz von Leistungen der Mannschaften in der regulären Zeit und in den Tie-Break-Entscheidungen wird die Performance von Tie-Break-Formaten entweder unter- (im Beispielfall: GWiEMS < 20 %) oder Ăźberschätzt (im Beispielfall: GWiEMS > 80 %).
2. Die Leistungen der Mannschaften sowohl in der regulären Zeit als auch bei der Tie-Break-Entscheidungen sollen bei der Ermittlung der besten Mannschaft berßcksichtigt werden.
In dieser Interpretation bestimmt die ermittelte Turnier-Gewinnwahrscheinlichkeit abhängig vom konkreten Modellfall das beste Turnierformat. Das Rundenturnier kompensiert in den meisten Fällen die fehlende Information ßber die Leistungen in den Tie-Break-Entscheidungen und bleibt das beste Format. In den Modellfällen mit der Tie-Break-Dominanz (im Beispielfall: GWiEMS > 90 %) wird das K.-o.-System das beste Format.
In den meisten praxisrelevanten Modellfällen, wenn die Leistungen der Mannschaften in der regulären Zeit und in den Tie-Break-Entscheidungen miteinander korrespondieren, sind die Ergebnisse des Vergleichs von Turnierformaten identisch in den beiden Interpretationen.
Kritik der gegenwärtigen WM- und EM-Turniermodi
In den Welt- und Europameisterschaften vieler Sportarten sowie in olympischen Turnieren werden verschiedene Varianten der Kombination aus Gruppen- (Turnierform Rundenturnier) und Finalphase (Turnierform K.-o.-System) verwendet. Solche Turniermodi weisen erhebliche strukturelle Probleme auf, die unter anderem zur Verletzung des Fairplay fĂźhren. Die folgende Klassifikation dieser Probleme mit Beispielen aus FuĂballmeisterschaften gilt grundsätzlich auch fĂźr die Turniere in allen anderen Sportarten.
Bedeutungsloses letztes Gruppenspiel
In der Gruppenphase kommt oft vor, dass einige Mannschaften nach zwei Spieltagen entweder die Finalrunde schon erreicht haben oder sich nicht mehr fĂźr die Finalrunde qualifizieren kĂśnnen. Demzufolge hat das Ergebnis des letzten Gruppenspiels fĂźr diese Mannschaften keine Bedeutung.
Falls sich zwei solche Mannschaften in dem dritten Gruppenspiel treffen, dann hat das keine groĂen Turnierauswirkungen. Es wird lediglich ein Trainingsspiel mit keiner Relevanz zur Meisterschaft ausgetragen. Allerdings sind solche bedeutungslosen Spiele fĂźr die schon qualifizierten Mannschaften nicht immer von Vorteil. Der Spielrhythmus geht verloren und die Mannschaft kann beim nächsten Spiel Schwierigkeiten haben, den zu finden.
Aktuelle Beispiele aus den jĂźngsten Welt- und Europameisterschaften:
⢠Ăgypten â Saudi-Arabien (WM 2018)
⢠Panama â Tunesien (WM 2018)
⢠Niederlande â Nordmazedonien (EM 2021)
Spiele ohne Bedeutung fĂźr eine Mannschaft / MĂśglichkeit von Absprachen zum Nachteil des dritten Teilnehmers
Schwerwiegender sind die Konstellationen, bei denen das Spiel nur fĂźr eine Mannschaft keine Bedeutung hat. Die fehlende Motivation dieser Mannschaft kann das Spielergebnis beeinflussen und damit zur Wettbewerbsverzerrung fĂźhren.
In weiteren problematischen Konstellationen ist es mÜglich, dass ein bestimmtes Ergebnis fßr beide Mannschaften reicht, um sich unabhängig vom anderen Gruppenspiel fßr die Finalphase zu qualifizieren.
Bekannteste Beispiele fĂźr diese Arten der Konstellationen:
⢠Deutschland â Ăsterreich (WM 1982) (Nichtangriffspakt von GijĂłn)cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]
⢠Spanien â Kroatien (EM 2012)cite-ref-14[14]
Aktuelle Beispiele:
⢠Spanien â Marokko (WM 2018)
⢠Frankreich â Dänemark (WM 2018)cite-ref-15[15]
⢠Australien â Peru (WM 2018)
⢠Schweiz â Costa Rica (WM 2018)
⢠Polen â Japan (WM 2018)
⢠Italien â Wales (EM 2021)
⢠Belgien â Finnland (EM 2021)
⢠Niederlande â Katar (WM 2022)
⢠Marokko â Kanada (WM 2022)
In solchen âfairplaymäĂig potenziell problematischenâ Konstellationen ist die eventuelle Verletzung des Fairplay in einer oder anderer Weise mĂśglich und durch die Regelungen des Turniermodus nicht ausgeschlossen. In den meisten Fällen werden die Spiele auch in diesen Konstellationen gemäà dem Fairplay-Gedanken durchgefĂźhrt und es gibt keine Auswirkungen fĂźr die anderen Mannschaften in der Gruppe. Trotzdem ist diese MĂśglichkeit vorhanden, das kann zu Irritationen im Umfeld der Spiele fĂźhren. Bisweilen sehen sich die betroffenen Mannschaften in diesen Fällen sogar gezwungen zu versichern, dass keine Absprachen getroffen werden, wie zum Beispiel bei der WM 2014 vor dem letzten Gruppenspiel Deutschland â USA.cite-ref-19[19]
Kein Grund, das dritte Spiel zu gewinnen
Bei einer anderen Art der Konstellationen kĂśnnen die schon qualifizierten Mannschaften in dem dritten Gruppenspiel noch ein vermeintliches Ziel haben: erster Platz in der Gruppe. Aber der mĂśgliche erste Gegner in der Finalphase ist nur fĂźr die Mannschaften bekannt, deren drittes Spiel nach den Spielen in der Parallelgruppe stattfindet. Auch die Gegner in dem eventuellen weiteren Verlauf der Finalphase sind schwer einzuschätzen. Deswegen gibt es in vielen Fällen keinen Grund, im dritten Spiel unbedingt zu gewinnen und Gruppenerster zu werden. Solche Spiele fungieren eher als eine Art der zusätzlichen Auslosung. Das Ergebnis hat fĂźr die betroffenen Mannschaften keine sportliche Signifikanz, somit sind diese Spiele fĂźr die betroffenen Mannschaften bedeutungslos und fĂźhren unter Umständen zu âfairplaymäĂig problematischenâ Konstellationen.
Aktuelle Beispiele:
⢠Russland â Uruguay (WM 2018)
⢠Frankreich â Dänemark (WM 2018)
⢠Kroatien â Island (WM 2018)
⢠Belgien â England (WM 2018)
⢠Italien â Wales (EM 2021)
⢠Belgien â Finnland (EM 2021)
⢠England â Tschechien (EM 2021)
⢠Schweden â Polen (EM 2021)
⢠Frankreich â Portugal (EM 2021)
⢠Frankreich â Tunesien (WM 2022)
⢠Brasilien â Kamerun (WM 2022)
⢠Portugal â SĂźdkorea (WM 2022)
Gewinnen verringert die Chance auf ein Weiterkommen
In einigen Fällen kÜnnte es allerdings doch eine Motivation fßr Mannschaften geben, Gruppenerster zu werden, insbesondere falls ein Topfavorit auf den Gruppenzweiten wartet. Falls aber der Topfavorit in seiner Gruppe ßberraschenderweise Zweiter wurde und jetzt auf den Gruppenersten treffen sollte, dann wird es von Vorteil sein, Gruppenzweiter zu werden. Laut dem Turnierformat verringert der Sieg in diesem Fall paradoxerweise die Chancen fßr das Weiterkommen. Das war im Skandal beim olympischen Badmintonturnier 2012 (Olympische Sommerspiele 2012/Badminton)cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] besonders deutlich veranschaulicht. Mehrere Teilnehmer des Badmintonturniers wurden disqualifiziert, weil sie versucht hatten, durch die Niederlage leichtere Konkurrenten beziehungsweise eine bessere Ausgangsposition fßr die Finalphase zu bekommen. Manchmal war keines der beiden Teilnehmer wirklich gewillt, als Sieger das Feld zu verlassen. Die Meisterschaften aller Sportarten sind vor solchen Konstellationen nicht gefeit.
Tiebreak-Kriterien
Noch ein allgemeines Problem des Turniermodus in der Gruppenphase konnte bei der WM 2018 beobachtet werden. Wenn zwei oder mehr Teams aufgrund der auf den Spielergebnissen basierenden Kriterien (Anzahl Punkte, Tordifferenz usw.) gleich abschneiden, wird ihre Platzierung gemäà sonstigen Kriterien ermittelt. In der Gruppe H wurde Senegal aus der Finalphase ausgeschlossen, nur weil das Team zwei Gelbe Karten mehr als Japan kassierte.cite-ref-22[22]
Stärkere Teams kÜnnen sich frßhzeitig gegenseitig ausschalten
In der Finalphase wird das Turnierformat K.-o.-System verwendet. Dieses Turnierformat ist am effizientesten, um den Sieger schnell mit mĂśglichst kleiner Anzahl der Spiele zu ermitteln. Und das ist am ineffektivsten, um die tatsächlich beste Mannschaft als Sieger mit grĂśĂtmĂśglicher Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Die schlechte Performance des K.-o.-Systems kann damit erklärt werden, dass eine Mannschaft nach einer einzigen Niederlage aus dem Turnier ausscheidet. Dabei kann auch die beste Mannschaft gelegentlich verlieren, zum Beispiel im ElfmeterschieĂen. AuĂerdem kĂśnnen die stärkeren Mannschaften in den frĂźheren Runden aufeinander treffen und sich gegenseitig aus dem Turnier eliminieren. Somit wird die Anzahl der âbesserenâ Mannschaften reduziert und eine schwächere Mannschaft bekommt mehr Chancen, mit GlĂźck Turniersieger zu werden.
FrĂźhere Ergebnisse werden ignoriert
Die Ergebnisse in der Gruppenphase und in den frßheren Runden der Finalphase werden in keiner Weise berßcksichtigt. Das fßhrt zu paradoxen Effekten und intransparenten Endplatzierungen. Zum Beispiel, bei der EM 2021 hat Dänemark mit insgesamt drei Niederlagen das Halbfinale erreicht, während Belgien nach Siegen in allen ersten vier Spielen (auch gegen Dänemark) schon im Viertelfinale nach einer einzigen Niederlage gegen den späteren Europameister Italien ausgeschieden war.
Disproportionale Messung
Der Anteil der Spiele zwischen den besten Mannschaften ist zu gering im Vergleich zur Gesamtzahl der Spiele. Zum Beispiel, bei den FuĂball-Weltmeisterschaften werden insgesamt 64 Spiele durchgefĂźhrt. 57 Spiele davon werden in der Gruppenphase (darunter etliche bedeutungslose und âfairplaymäĂig problematischeâ), im Achtelfinale und um den unbedeutenden 3. Platz ausgetragen. FĂźr die spannenden und hochklassigen Begegnungen zwischen acht letzten um den Meistertitel kämpfenden Mannschaften sind nur 7 Spiele reserviert.
Turniere mit der Qualifikation von âbesten Drittenâ
In einigen Turnieren nehmen zusätzlich zu den Gruppenersten und Gruppenzweiten auch vier (WM 1986, WM 1990, WM 1994, EM 2016, EM 2021) bzw. acht (WM 2026, geplant) beste Gruppendritten in der K.-o.-Phase teil. In solchen Fällen wird die Wahrscheinlichkeit noch grĂśĂer, dass mehrere Mannschaften sich schon nach dem zweiten Spieltag fĂźr die K.-o.-Phase qualifizieren werden. Zum Beispiel, in allen Gruppen der EM 2021 war mindestens eine Mannschaft nach dem zweiten Spieltag fĂźr die K.-o.-Phase qualifiziert. Damit werden die beschriebenen âfairplaymäĂig problematischenâ Konstellationen wahrscheinlicher. Auch zwei noch nicht qualifizierte Teilnehmer kĂśnnen in dem letzten Spieltag häufige eine theoretische MĂśglichkeit bekommen, ein fĂźr beide gĂźnstige Ergebnis zu erreichen. Insbesondere betrifft das die Gruppen mit dem kalendarisch später angesetzten dritten Spieltag. AuĂerdem ist das Konzept der Ermittlung der âbesten Drittenâ fragwĂźrdig. In einem Turnier mit einer groĂen Teilnehmeranzahl kommen vereinzelt auch stärkemäĂig deutlich schwächere Teilnehmer vor. Nach der Auslosung sind die Gruppen nicht homogen besetzt. Die Mannschaften in einer Gruppe mit einem deutlich schwächeren Team werden doppelt bevorzugt im Vergleich zu Mannschaften in den Gruppen mit der stärkemäĂig ausgeglichenen Besetzung. Erstens, sie kĂśnnen leichter Erster oder Zweiter werden. Zweitens, falls sie nach dem dritten Spieltag auf dem dritten Platz liegen, ein Sieg mit hoher Tordifferenz gegen dieses schwächere Team bringt ihnen Vorteile bei der Ermittlung der âbesten Drittenâ.
Zukunftsperspektive
Die WM 2026 wird mit 48 Mannschaften ausgetragen. In der Gruppenphase sollen 12 Gruppen mit je 4 Mannschaften gebildet werden. Die Gruppensieger, Gruppenzweiten und die acht âbesten Drittplatziertenâ qualifizieren sich fĂźr die K.-o.-Phase mit 32 Teilnehmern. Im Vergleich zur WM 2022 wird die Wahrscheinlichkeit von âfairplaymäĂig problematischenâ Konstellationen grĂśĂer, der Anteil der Spiele zwischen den besten acht Mannschaften an der Gesamtzahl der Spiele wird kleiner (7 von 104). Die Ermittlung des Weltmeisters im K.-o.-System mit 32 Mannschaften wird noch stärker von zufälligen Faktoren beeinflusst.
Einzelnachweise
cite-note-11. Logarithmen gerundet auf vollständige Runden.
cite-note-22. â Plauschturniere auf badminton-plauschturniere.ch, abgerufen am 4. September 2014.
cite-note-iturnier-33. â Turnierformen@1@2Vorlage:Toter Link/www.iturnier.org (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2023. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂźfe den Link gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. iturnier.org. Abgerufen am 28. September 2020.
cite-note-44. â Manfred Krämer: Der neue Turniermodus âZwei-Chancen-Systemâ: ist der FuĂball-Europa- oder Weltmeister tatsächlich die beste EM- bzw. WM-Mannschaft? 4., neu bearb. und erw. Auflage. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-8448-1540-5 (dnb.de [abgerufen am 17. Januar 2021]).
cite-note-55. â Peter Maxwill: Argentiniens skandalĂśser Triumph Spiegel.de 28. Mai 2014
cite-note-66. â JĂśrg Wolfrum: Kartell des Schweigens in Argentinien Frankfurter Allgemeine.net 15. Januar 2001
cite-note-77. â Tom Mustroph: Sechs Tore, sechsmal Bestechung Taz.de 17. März 2018
cite-note-88. â Die Schande von GijĂłn Stern.de 23. Juni 2014
cite-note-99. â Das langweiligste WM-Spiel aller Zeiten Spiegel.de 6. Februar 2008
cite-note-1010. â âSieg gegen Ăsterreich: Kein Grund zur Freudeâ dfb.de
cite-note-1212. â Italien fĂźrchtet "skandinavische VerschwĂśrung" Stern.de 22. Juni 2004
cite-note-1313. â 2:2 half Dänen und Schweden Spiegel.de 22. Juni 2004
cite-note-1414. â TĂśdliches Remis Spiegel.de 18. Juni 2012
cite-note-1515. â Gellende Pfiffe der Fans: Frankreichs 0:0 gegen Dänemark erinnert an âSchande von Gijonâ. Stern.de 26. Juni 2018
cite-note-1616. â Wir haben alles gegeben: Spanien will von Wettbewerbsverzerrung nichts wissen Stern.de 2. Dezember 2022
cite-note-1919. â 0:0 wĂźrde reichen: Portugal fĂźrchtet deutsch-amerikanischen WM-Nichtangriffspakt. Focus Online 23. Juni 2014
cite-note-2020. â Manipulation â Alle acht Athleten ausgeschlossen Welt.de 1. August 2012
cite-note-2121. â Badminton-Skandal bei Olympia Spiegel.de 1. August 2012
cite-note-2222. â Das hat mit FuĂball nichts zu tun Spiegel.de 28. Juni 2018